Onlinekonflikte. Wenn Jugendliche streiten

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Onlinekonflikte. Wenn Jugendliche streiten

Juli 11, 2024 Podcast 0

Wenn Kinder und Jugendliche streiten, passiert das oft auch online, denn für sie sind online und offline nicht getrennt. In den allermeisten Fällen hat das nichts mit „Cybermobbing“ zu tun. In dieser Folge geht es darum, wie wir unterscheiden und warum wir unterscheiden sollten. Dazu gehe ich auf Onlinekonflikte ein, wie Jugendliche sie wahrnehmen und wie man mit ihnen umgehen kann. Wenn Kinder und Jugendliche streiten, passiert das oft auch online, denn für sie sind online und offline nicht getrennt. In den allermeisten Fällen hat das nichts mit „Cybermobbing“ zu tun. In dieser Folge geht es darum, wie wir unterscheiden und warum wir unterscheiden sollten. Dazu gehe ich auf Onlinekonflikte ein, wie Jugendliche sie wahrnehmen und wie man mit ihnen umgehen kann.

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00:00 Einführung und Zielgruppe des Podcasts

02:28 Missverständnisse um Cybermobbing

04:56 Definitionen und Wahrnehmungen von Mobbing

07:13 Konflikte vs. Mobbing

09:37 Cybermobbing in der heutigen Jugendkultur

11:59 Jugendliche Perspektiven auf Online-Konflikte

16:05 Rolle der Erwachsenen in Konfliktsituationen

17:00 Unterscheidung verschiedener Konfliktarten

18:08 Strategien zur Konfliktlösung

19:30 Förderung von Selbstständigkeit und Eigenverantwortung

20:34 Notwendigkeit der differenzierten Wahrnehmung

22:30 Einbindung von Kindern und Jugendlichen

24:29 Schrittweise Anleitung für Erwachsene

26:31 Bedeutung von Verständnis und Unterstützung

28:28 Langfristige Strategien und Prävention

00:00:00
Reden über Medien. Der Podcast bietet Informationen, Diskussionen, Einschätzungen, Positionen zu Themen rund um Medien, Digitalität immer im Kontext von Kindern und Jugendlichen. Ich spreche über Themen wie Medienerziehung, Medienbildung und die zunehmende Durchdringung digitaler Medien in Arbeitsfeldern. Der soziale dieser Podcast ist für dich, wenn du in deinem Alltag mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeitest oder mit ihnen zusammen lebstausend, dann kommst du sicher in die Situation, dass du mit ihrer Mediennutzung konfrontiert bist. Vielleicht bekommst du auch einen Spiegel zurück über deine eigene Mediennutzung. Du hast dich da auch entschieden, nicht einfach nur Zaungast zu sein, sondern dieses viel besprochene Kinder und Jugendliche begleiten in der Mediennutzung auch wirklich ernst zu nehmen und suchst einen Ort, der dir hilft, dieses Begleiten zu reflektieren, dieses Begleiten auch zu füllen mit ganz konkreten Tipps, was den das bedeuten könnte. Ich begrüße euch zu dieser neuen Folge von Reden über Medien diesmal mit dem Thema Online Konflikte. Und Online Konflikte ist ganz ein spannendes Thema, das mir eben auch mit einer gewissen Dringlichkeit auf der Zunge liegt, weil wir erwachsenen Online Konflikte meistens als Cybermobbing anschauen und dies auch so benennen.

00:01:37
Und es ist ja schon so, dass Kinder und Jugendliche nicht oft sehr gut sind, Erklärungen abzugeben oder so im ersten Moment und sich im ersten Moment vielleicht nicht so präzise ausdrücken. Aber wenn man mit ihnen ins Gespräch geht, dann unterscheiden sie sehr klar verschiedene Formen von Konflikten und machen eben auch diesen Unterschied zu Online Konflikten oder Offline Konflikten nicht so stark, wie wir erwarten. Bei uns Erwachsenen führt es dazu, dass wir alle Formen von Konflikten, die dann online stattfinden, als Cybermobbing bezeichnen. Und dies führt dazu, dass Erwachsene von Jugendlichen in diesem ganzen wichtigen Bereich der Online Konflikte nicht mehr für Hilfe in Anspruch genommen werden. Und das ist nicht nur bei Personen so, die sich, sage ich jetzt mal, nicht beruflich mit Konflikten auseinander, diese Verwechslung oder diese Vereinfachungen machen, sondern das kann man auch bei Fachpersonen gut beobachten. Also so ist man jetzt z.B. an einer Tagung, die ich dieses Jahr besucht habe, da war eine Expertin, nationale Expertin für das Thema Cybermobbing geladen und hat eine Keynote gehalten und im Laufe der Diskussion hat man gemerkt, dass sie das sagt ja, das ist etwas mega schlimmes, das Cybermobbing. 87 bis 90 Personen % der erleben das.

00:03:10
Und dann hat sie Beispiele gebracht und eines der Beispiele war ja, das ist ja auch in Spielen so. Sie hat dann glaube ich, Fortnite erwähnt, da würden sich die Spielenden, also die Gamer und Gamerinnen als Noobs bezeichnen und irgendwie als Noobs und Blödmann. Und unfähig bezeichnen. Und das zeigt sehr schön, dass so diese hohen Zahlen, die wir immer wieder lesen, also von Betroffenheit, von Cybermobbing, halt sehr unkenntlich genau sind, wenn man eben jegliche Beleidigungen oder jegliche. Und ich würde da in diesem Bereich sogar sagen, dass es ein Stück weit einfach Jugendsprache ist, das als Cybermobbing zu bezeichnen. Und mir ist auch erst gerade neulich ein Paper in die Hände gefallen mit einem wissenschaftlichen Anspruch, also ein wissenschaftliches Paper. Und da war der Satz zu lesen, dass Jugendliche zwischen sechs und 87 % angeben, von Cybermobbing betroffen sein. Und das fand ich sehr spannend, weil auf diesen Umstand zwischen sechs und 87 % wurde in dem Text nicht eingegangen.

00:04:21
Da hat niemand gefragt, ja, wie ist es möglich, mein 6 %, das ist ja irgendwie, das sind ganz wenig und 87 %, das sind fast alle. Also wie ist es möglich, erstens mal, dass man auf so unterschiedliche Resultate kommt und auf der anderen Seite, wie kommt der Autor nicht oder die Autorin nicht auf die Idee, dieses Resultat in Frage zu stellen? Und das hat natürlich damit zu tun, dass wenn man Cybermobbing definiert als jegliche Beleidigung oder jeglicher Konflikte online geschieht, dann hat man sehr hohe Zahlen, da sind sehr viele Jugendliche, Kinder und Jugendliche betroffen. Und wenn man eben eine engere Definition nimmt oder ich würde jetzt mal sagen richtige Definition nimmt, dann sind es 6. %. Natürlich sind auch 6 % immer noch zu viel, also ich möchte hier nicht den Umstand herunterreden, dass es Cybermobbing gibt, aber es ist wichtig, diese Unterscheidung zu machen, denn wie in anderen Themen auch, leiten am Schluss Kinder und Jugendliche darunter, wenn wir eben diese Differenzierung nicht machen. Und was heißt denn jetzt hier leiten? Weil aufgrund von diesen Definitionen werden ja in vielen Fällen dann Interventionen zweitausendein und vielleicht Lösungen daraus folgen.

00:05:42
Also wir unternehmen dann etwas oder wir machen dann vielleicht eine Kampagne oder suchen ein Gespräch in der Prävention. Und wenn wir dann aber vom einen ausgehen und das andere ist das Thema, dann führt das einfach ins Leere. Und man könnte schon fast sagen, dass dieses Wort Cybermobbing eine Riesenkarriere hinter sich hat. Denn früher hat man so auf einer ganz theoretischen Ebene, um diese Phänomene zu verstehen, so eine Taxonomie vorgenommen, wo man all diese bekannten Internetgefahren zusammengefasst hat und dann mit diesem Namen Cybermobbing bezeichnet. Und in diesem Topf oder in dieser Kategorie, der damals Cybermobbing genannt wurde, da war z.B. auch so dieses Cybergrooming drin. Und da zeigen sich diese krassen Unterschiede. Denn Cybergrooming meint, dass erwachsene Menschen mit dem Ziel, einen sexuellen Kontakt zu haben, Kontakt mit Jugendliche aufnehmen und sich da so einen Kontakt erschleichen.

00:06:45
Und das kann auf keinen Fall das gleiche sein wie zwei Jugendliche, die miteinander streiten. Und inzwischen sind wir da weiter der Oberbegriff, denn das nennt man heute Kontaktrisiko. Und dann wird darunter sehr klar unterschieden zwischen verschiedenen Phänomenen oder verschiedenen Gefahren. Und da müssen wir davon wegkommen, das alles einfach immer nur Cybermobbing zu nennen. Möchte ich jetzt kurz darauf eingehen, was so der Unterschied ist zwischen Konflikten und Mobbing. Und dabei möchte ich ganz kurz auf Glasl verweisen. Und er unterscheidet zwischen neun Stufen von Konflikten. Und das geht jetzt so von der niedrigsten Eskalationsstufe bis zur höchsten Eskalationsstufe.

00:07:40
Also bei Glasville ist es zwar eine Treppe, die nach unten geht, also von halbschlimm so ganz schlimm. Und er unterscheidet drei Hauptphasen. Und in der ersten Phase, da sagt er, ist es wie möglich aus dem Konflikt rauszukommen mit einem Win Win. Also sodass beide Parteien vielleicht sogar etwas gewinnen, aber keinen Schaden nehmen. Und dann in dem zweiten Feld wird es dann eine lose win Situation sein. Also da ist der Konflikt schon so weit eskaliert, da braucht es dann irgendwelche Maßnahmen und das das führt meistens dazu, dass eine der Parteien einen Gesichtsverlust oder einen Verlust von Privilegien oder Vorteilen oder irgendeine Strafe bekommt und so eigentlich quasi wie eine Win lose Situation bekommen. Und in der schlimmsten Stufe, wo es am meisten eskaliert ist, da ist dann eigentlich nur noch lose Lose möglich. Und das Mobbing oder das Cybermobbing ist dann eben, wird dadurch dann auch gekennzeichnet, dass es da lose lose ist.

00:08:45
Also da gibt es wie keine Möglichkeit mehr, dass eine Partei gewinnt. So viel also zu diesen Eskalationsstufen. Wenn wir jetzt Mobbing oder Cybermobbing genauer anschauen, dann wird Mobbing mit folgenden Kriterien beschrieben und Mobbing geschieht absichtlich und aus gezielten und wiederholend stattfindenden Aktionen, also Beleidigungen, Angriffe auf eine bestimmte Person oder auf eine kleine Gruppe von Personen. Ganz wichtig ist auch, das Mobbing gekennzeichnet wird durch ein Machtgefälle. Und in den meisten Fällen besteht dann das Machtgefälle daraus, dass die eine Gruppe sehr viel größer ist als die andere, also die gemobbte Gruppe oder die gemobbte Person meistens alleine ist. Natürlich gäbe es jetzt zu diesem Thema auch noch ganz viel zu sagen. Vielleicht mache ich zu einem späteren Zeitpunkt auch mal eine Podcast Folge zum Thema Cybermobbing. Was aber vielleicht noch wichtig ist, ist der Hinweis, dass Mobbing vor allem auch ein Gruppenprozess ist, also eine Gruppendynamik.

00:09:58
Das ist ein Konflikt, der quasi nicht behandelt oder unterbrochen wird. Und da entsteht eine Spirale, die dann immer schlimmer wird und viele Fachpersonen sagen auch, dass Mobbing immer auch ein Versagen der Führungsperson ist. Und das soll jetzt nicht so eine pauschale Anklage von Lehrpersonen sein oder weil Cybermobbing oft in Schulen vorkommen. Ich würde das System da wie größer sehen. Und so richten sich auch ernsthaft gemeinte oder wirksame Interventionen gegen Cybermobbing ebenso auf das System. Da werden Klassenregeln erarbeitet, da werden Strategien zum Umgang mit Konflikten geübt, da wird eine Schulhausordnung, da wird ein genauer Prozess definiert, wie man bei Konflikten vorgeht, zweitausendein, um eben Führung in dieses Thema Konflikt reinzubekommen, damit es eben nicht diese Spirale bis zur höchsten Eskalation, dem Mobbing, führen kann. Dies also zu der grundsätzlichen Unterscheidung, was Konflikte sind und was Cyborg Mobbing ist. Und ich möchte da noch ein bisschen Wichtigkeit darin reingeben, warum das so wichtig ist, dass wir diese Unterscheidung machen, denn wir Erwachsene trennen uns da ein Stück weit von der Lebensrealität der und Jugendlichen.

00:11:22
Was man beobachten kann, und da gibt es auch Studien dazu, ich werde die verlinken in der Videobeschreibung, ist, dass jugendliche Erwachsene ja sowieso so ein bisschen skeptisch betrachten, wenn sie sie um Hilfe bitten wollen in Sachen, die irgendwie mit digitalen Medien zu tun haben, weil sie oft nicht verstehen. Und auf der anderen Seite haben sie insbesondere bei Konflikten Angst, dass durch dieses Unwissen unreflektierte Handlungen so eine aktivistische Handlungen der Erwachsenen erfolgen. Und was vielleicht noch spannend ist, ich gehe da auch noch mal jetzt bisschen auf diese Studie ein und da haben sie mit Jugendlichen über diese über Online Konflikte geredet und sie so in Gesprächsrunden und auch in Befragungen wie zu ihrer Wahrnehmung befragt. Und Jugendliche unterscheiden sehr spannend verschiedene Arten von Konflikten. Und etwas, das vielleicht jetzt eben so in diesem Bereich ist, den ich vorher erwähnt habe, also von den Computerspielen, es gibt den Spassstreit, also es gibt diese, man könnte vielleicht da auch die Jugendsprache darunter verorten, so dieses Freude haben, sich gegenseitig bisschen zu dissen, so ein bisschen die Klingen zu kreuzen oder provozieren zu sein. Und ich denke, da spielen eben auch ganz viel so identitätsbildende Sachen rein, also wenn man so einen Opa cool macht oder was wir dann ein bisschen despektierlich als halbstark bezeichnet, das hat ja schon immer dazu gehört, dass Jugendliche sich auf diese Art und Weise unterhalten und das hat keinen bösen Charakter auf der Beziehungsebene zweitausendein. Und hier vielleicht auch ein Beispiel, das ich mitbekommen habe, das kam von einem Staatsanwalt, der von einem Beispiel erzählt hat, wo ein Chat stattgefunden hat zwischen zwei elfjährigen und die haben sich so ein bisschen eben so lustig über etwas unterhalten und es hat dann in einer Nachricht geendet, wo der eine dem anderen geschrieben hat, haha, und morgen in der Schule, dort werden wir uns treffen und ich werde dich umbringen oder irgendwie so. Also es war wie eine Morddrohung.

00:13:41
Und das hat dann zu einem riesen Tamtam geführt und zur Anzeige. Und nach einem gewissen Zeitpunkt ist dann eben auch der Moment gekommen, das finde ich ganz entscheidend, wo die Jugendlichen befragt wurden. Und beide Jugendliche haben einheitlich gesagt, das war doch Spaß, weil wir haben ja vorher so diesen Spassstreit gehabt und hinter der Nachricht, da kam ja auch so diese zwei Zwinkersmileys, die die ein klarer Hinweis dafür sind, dass nicht ernst gemeint war. Und das Beispiel zeigt vielleicht auch schön erstens, wie spät die Jugendliche in die Deutung des Konflikts einbezogen werden und wie einheitlich sie diese dann auch sehen. Und ich meine natürlich, wenn man so etwas schreibt und die Eltern das sehen, ich bin da durchaus einverstanden, dass man da irgendwie abklären muss, was das heißen soll oder vielleicht auch klarmachen, dass es je nachdem nicht geht. Aber das ist jetzt so ein typisches Beispiel für so eine Eskalation einer Sache, die eigentlich unbegründet war. Und bei einem Spassstreit könnte man nicht sagen, da ist die Beziehung okay und die Meinungen divergieren eigentlich auch nicht, weil man hatte keine Meinungsverschiedenheit. Denn Meinungsverschiedenheiten, das ist wie so die nächste Stufe, die Jugendliche unterscheiden, wo sie sagen, da ist die Beziehung okay, da sind wir nicht verstritten mit jemand, vielleicht kennen wir auch jemanden gar nicht so stark, aber auf der Meinungsebene sind wir unentschieden und da suchen wir eine Lösung oder messen jetzt unsere Meinungen und Argumente aneinander.

00:15:19
Und so die nächste Stufe ist dann der Streit. Und beim Streit ist die Meinung eine andere und die Beziehung ist auch eine andere. Und was noch wichtig ist bei diesem Streit, ist, dass Jugendliche klar formulieren. Also das haben sie sicher auch schon selber erfahren, wenn sie mitbekommen, wie Kinder und Jugendliche streiten. Die meisten, die haben ein hohes Verantwortungsgefühl drin, diesen Streit selber führen zu wollen. Also das ist nicht der Streit der Eltern oder einer anderen erwachsenen Person, sondern es ist ihr Streit. Und es gibt da ganz spannende Beobachtungen, dass man eben halt sehr differenziert wahrnimmt, wer sich in diesen Streit einmischen darf und wer nicht. Wer das genau ein bisschen nachlesen möchte, kann gerne in dieser Studie nachlesen.

00:16:09
Da gibt es sehr viele, sie beschreiben da sehr viele solche Punkte. Ich behaupte aber auch, dass sie die meisten Punkte bei ihrem Kind oder bei den Jugendlichen, die sie kennen, wir auch selber beobachten. Und die letzte Stufe oder die schlimmste Stufe, die Jugendliche auch sehr verurteilen ist so diese Stufe vom Cybermorphing, also wo dieser ganze Konflikt außer Kontrolle gerät, wo sich dann auch immer mehr Menschen einmischen, die mit dem Konflikt eigentlich gar nichts zu tun hat und gar nicht unbedingt mehr sagt, der Streit oder eben einer gemeinsamen Meinung oder so dieses Aneinanderreiben von Meinung im Vordergrund steht, sondern eigentlich nur noch Verletzung und Machtausübung im Vordergrund stehen, die sie in allen Fällen eigentlich auch sehr stark verurteilen. Und jetzt dem gegenüber steht jetzt so die Wahrnehmung der Erwachsenen, dass es wie nur dieses Cybermobbing gibt. Und das führt natürlich irgendwie auch dazu, dass Jugendliche diese Angst haben, dass Erwachsene schnell überdramatisieren, dass sie aktivieren, statistisch werden, dass sie Sachen unternehmen, dass ihnen auf der einen Seite sehr peinlich ist und auf der anderen Seite der Sache halt eben wirklich hilft. Und darum wählen sie oft den Weg, eben Erwachsene da auszuschließen. Das ist natürlich eine ganz blöde Situation, weil ja eben, wenn es Mobbing ist vor allem, oder vielleicht anders gesagt, wenn der Konflikt nicht so schlimm ist, ist es einfach sehr schade, dass die Jugendliche von einer wichtigen Ressource abgeschnitten sind. Das heißt ja auch nicht, dass wenn der Konflikt noch nicht eskaliert ist, ist das nicht auch verletzend oder belastend für die Jugendlichen sein können.

00:17:54
Da wäre es vielleicht wichtig, Unterstützung von Erwachsenen zu haben. Und auf der anderen Seite werden je nachdem Konflikte dann irgendwie größer oder ziehen dann Kreise, wo dann eben irgendwelche Schäden und Wolken dann viel größer sein können. Und so viel zu meiner Einschätzung, wie das Thema wahrgenommen wird und wie auch unterscheiden werden solle. Und ich möchte jetzt noch ein paar Worte darüber verlieren, wie wir im Alltag mit so Konfliktsituationen, mit Online Konfliktsituationen umgehen könnten. Ich werde nachher versuchen, wie so ein bisschen eine Abfolge oder so ein Schritt für Schritt vorgehen vorzuschlagen. Dazu aber vielleicht zuerst grundsätzlich ein paar Sachen. Konflikte sind Konflikte, auch wenn sie online stattfinden. Vieles bleibt gleich.

00:18:44
Dann ist wichtig zu vermerken, dass wir Erwachsene da kompetent sind, weil wir viele Erfahrungen gemacht haben mit Konflikten und mit der Möglichkeit, mit Konflikten umzugehen. Grundsätzlich ist unsere Aufgabe, in Konflikten zu begleiten, also die Konflikte den Kindern nicht aus der Hand zu nehmen, sondern sie darin zu begleiten, die Konflikte besser bewältigen zu können. Dazu gehört einerseits die Stützung des Kindes oder des Jugendlichen in dem Sinne von Bestärkung und auf der anderen Seite, so in der Beratung, sage ich jetzt mal ein bisschen plakativ, wie denn Konflikt oder welches Konflikthandeln denn zu einem besseren Resultat oder zu einer Lösung des Konflikts führen könnte. Dann ist es sicher wichtig, dass wir, wenn wir problematisieren wir nicht den Konflikt problematisieren, sondern wenn dann verschiedene Handlungen, Konflikthandlungen der einzelnen Parteien. Im privaten Bereich steht im Fokus sicher immer unser Kind, wenn man Geschwister hat oder im beruflichen Umfeld, da hat man ja manchmal nicht so eindeutig unser Kind, dann gilt es dann eher vielleicht eine vermittelnde Rolle einzunehmen, wenn es das braucht. Aber da sind wir eben auch schon wieder in diesem Konflikthandeln drin. Und weiter denke ich, dass es wichtig ist, eben Konflikte anzuerkennen als das, was sie sind, als Teil vom Leben. Und daher kann man wie viele Sachen farben, indem man sie im Vornherein bespricht.

00:20:16
Und auf der Ebene vom Cybermobbing habe ich das ja vorher wie erwähnt, oder dass Prävention von solchen Situationen eben ist, dass man Schulhausregeln macht, dass man sich da klar positioniert, wie man möchte, dass man miteinander umgeht, dass man auch sich positioniert, wie geht man dann vor, wenn eben etwas trotzdem passiert ist. Also dass man so Konfliktbewältigungsstrategien entwickelt. Und das gilt es eigentlich so im Privaten eigentlich wie auch zu tun. Und ein gutes Beispiel, so Konflikte vorzubereiten, ist vielleicht auch, wie gut zu klären, wenn ein Kind ein Handy bekommt oder so in dem ersten Klassenchat unterwegs ist, wie zu klären, was ist Privatsphäre und was nicht. Also dass man vielleicht irgendwie sagt, Einzelchat, es ist eine Privatsphäre. Bei Gruppenchat möchte ich am Anfang manchmal reinschauen, um so zu sehen, was da für eine Stimmung Ÿousand herrscht. Also ich denke, dass das Recht auf Privatsphäre natürlich grundsätzlich besteht, aber in gewisser Weise vor allem bei Kindern, die noch entwickelt sind, wie auch verdient werden muss. Und diese Abmachungen können dann irgendwie weitergehen, dass man irgendwie sagt, hey, wenn ich etwas sehe, was ich finde, das ist nicht okay, dann mache ich nicht einfach etwas, sondern ich mache nur etwas, wenn ich dein Einverständnis habe, habe.

00:21:37
Eine Unterscheidung könnte z.B. sein, dass man sagt, solange nur du darunter leidest, dann würde ich dich einfach unterstützen, wenn du das brauchst oder dir Tipps geben. Und wenn ich irgendwie das Gefühl habe, hey, das hat eine gewisse Eskalationsstufe erreicht und ich das Gefühl habe, ich muss etwas machen, dann werde ich das auf jeden Fall mit dir absprechen. Also ich sag mal, diese genaue Erklärung darüber, was kannst du von mir bekommen, was erwarte ich von dir, das sind Sachen, die sollten eigentlich wie so im Alltag eigentlich integriert sein. Und ich glaube, wenn wir von Konflikten sprechen, dass der Alltag so eine ganz wichtige Rolle hat. Im Alltag werden wir ja auch immer wieder mit verschiedenen Konflikten konfrontiert. Und das macht es natürlich Sinn, wie solche Sachen mit Kindern und Jugendlichen immer wieder anzusprechen. Das kann man auch sehr gut in einem Jugendtreff machen.

00:22:34
Da bekommt man vielleicht irgendwie so einen lustigen Streit, also ja, lustig in Anführungszeichen, zwei Influencer mit. Die tragen ja zum Teil ihren Konflikt oder ihre Streitigkeiten ja sehr öffentlich aus. Und da sich mit ihnen hinzusetzen und wie so ein bisschen diese Kriterien herauszuarbeiten, also was ist förderlich, was ist nicht förderlich? Was sind gute Reaktionen? Was ist dann peinlich und solche Geschichten. Da lernt man ganz viel über Konflikte. Und das hilft einem natürlich auch, wenn man selbst mal einen Konflikt hat. Versuche ich mal eine Schritt für Schritt Anleitung zu machen.

00:23:09
Die Situation wäre, du als Erwachsener wirst mit einem Online Konflikt konfrontiert. Und ich denke ganz am Anfang, Schritt eins ist zuhören und genau zuhören. Und das Ziel von zuhören ist verstehen. Und passen sie da auf. Vor allem, wenn solche Gedanken kommen, ich habe es schon immer gedacht oder ich habe schon immer auf TikTok schon immer blöd gefunden. Also dieses Chat kommunizieren ist immer blöd. Das ist in dem Moment nicht angebracht, sondern sie wollen wirklich verstehen, was geht. Sie müssen nachfragen nach dem Kontext, in dem das geschehen ist.

00:23:45
Hast du das irgendwo gelesen? Ist das in einem Chat? Ist das Real Life Pausenhof in einem? Oder gibt es da schon irgendwelche öffentliche Äußerungen? Und so weiter und so fort. Und das ist ein bisschen verzwickt. Und ich glaube, das ist jetzt ein bisschen anders als bei reinen Offline Konflikten. Da ist ja der Kontext oft so ein bisschen, okay, wir haben eben den Spielplatz, wir haben einen Ball und wir haben ein Gebüsch und vielleicht ist da noch ein Nachbar involviert oder so.

00:24:16
Und bei Online Konflikten ist es dann ein bisschen trickier, weil die eine war vielleicht direkt dabei, das eine über Sprachnachricht, das eine ist eindeutig, weil es ein Bild ist und das andere ist einfach eine Aussage und war dann auch ein Smiley. Und was war vorher? Also da gilt es, wie genau nachzufragen. Und da ist immer noch, der Sinn ist immer noch nicht bewerten, sondern verstehen, was ist wirklich passiert? Und fragen sie da auch nach dem Kind. Wie geht es denen? Wie haben sie es verstanden? Wie hast du es verstanden?

00:24:49
Fühlst du dich verletzt? Fühlst du dich überfordert und so weiter. So, damit sie ganz viele Informationen haben. Und ich glaube, der nächste Schritt, den kann man vielleicht auch nicht in jeder Situation so bewusst machen, ist eigentlich wie in sich zu gehen und sich bewusst zu werden, wo triggert mich dieser Konflikt? Weil Konflikte haben ja immer auch mit Werten und Normen zu tun. Und da ist das vor allem, wenn dann eine Reaktion passieren soll, ist es relativ wichtig, dass sie eine gewisse Bewusstheit darüber haben, welche Normen bain gerade getriggert sind und was dann vielleicht ein Grund sein könnte, weil sie sehr erregt werden und das ja eben zu überstürzten Handlungen führen kann. Also mach du dich in dem Moment Gedanken darüber, welche Werte da getriggert werden. Dann kann es vielleicht auch sein, vielleicht eben weil es online Konflikte sind und ich gewisse Sachen nicht verstehe oder befürchte, dann fragt doch jemand, der es weiß.

00:25:48
Also vielleicht gibt es den medienaffinen Onkel Gatti, den medienaffinen Praktikanten oder der von der anderen Stelle oder irgendwie von einer Fachgruppe Zwinkersmiley, die ihr kennt, eine Person, die euch helfen kann, das vielleicht einzuordnen. Also so im Stile von ich habe gehört das und ich befürchte das. Was denkst Ÿousand du immer noch? Und das Ziel ist immer noch, die Situation wirklich zu verstehen. Und wenn du Angst bekommst und wirklich das Gefühl hast, da ist etwas schief am Laufen und vielleicht hat der Jugendliche eine andere Deutung oder du verstehst die Deutung nicht, dann versuche da immer noch besser zu verstehen. Also frage dann vielleicht andere Eltern oder einen Schulsozialarbeiter, Schulsozialarbeiterin oder bei der Jugendarbeit oder so, wo du denkst, der sich da in diesem bestimmten Bereich besser auskennt, um da ein Verständnis zu gewinnen. Wenn der Konflikt nicht wirklich schlimm ist, ist das nicht so wichtig. Aber so bevor du irgendwie dann den Trainer von hernimmst und die Jugendstaatsanwaltschaft anrufst, dann gilt es wirklich da so ein bisschen nachzufragen.

00:27:00
Also übrigens auch bei der Jugendstaatsanwaltschaft kann man einfach nachfragen. Da ist es dann vielleicht angebracht zu sagen, ich habe gehört und ich habe eine Freundin, damit man nachher wirklich noch so selber entscheiden kann, ob man mit dieser Geschichte dann wirklich, sag ich mal, diese Eskalationsstufe hochgehen kann. Wenn ich das Gefühl habe, ich weiß, was ich finde, dann ist der nächste Schritt, mit dem Kind oder mit dem Jugendlichen in eine Verhandlung zu gehen. Und das Verhandeln beinhaltet dann vielleicht, dass man in gewissen Punkten eine andere Meinung hat oder man fragt nochmal nach, ob man das richtig verstanden hat, bringt vielleicht irgendwie eben Beispiele, die man früher mal erlebt hat, um so mit dem Jugendlichen zusammen an den Punkt zu kommen, wo man weiß, was man dann eben machen möchte oder was der Jugendliche eben braucht, um sich dann besser zu fühlen. Ja, dies ist also der Versuch, da wie eine Schritt für Schritt Anleitung zu liefern für etwas, das natürlich sehr dynamisch ist und ganz viele Sachen da reinspielen. Ich würde also wirklich, vor allem wenn bei ihnen das vielleicht, wenn bei dir das gerade aktuell ist, Otto, wenn du irgendwo in der Jugendarbeit arbeitest, oder in einem Heim arbeitest und so online Konflikte immer wieder Thema sind, dann lies unbedingt diese Studie, die ich verlinkt habe. Die gibt noch viel mehr Einblicke darauf, was dann so alles so reinspielt in solche Konflikte. Was man vielleicht aber noch so zusammenfassend erwähnen kann, ist, dass bei jedem Handeln eigentlich so die Unterstützung der jeweiligen Parteien und vor allem auch so ein bisschen die Souveränität dieser Konfliktparteien im Vordergrund stehen sollte.

00:28:47
Also das Ziel ist, dass beide Parteien quasi mit einem Windgefühl aus der Situation reingehen können. Das Einmischen von Erwachsenen nur dann, wenn es die Eskalationsstufe erfordert. Dann ist vielleicht noch hilfreich zu wissen, dass es eben so ein bisschen diese Regeln gibt, wer sich einmischen darf und wer nicht. Und Freunde und Freundinnen gehören dazu. Also das heißt, dass Kinder und Jugendliche eher es erlauben, dass sich Freunde und Freundinnen in einen solchen Konflikt einmischen. Es kann gut sein, dass der Jugendliche also eigentlich nicht für sich Unterstützung holt, sondern für jemand anderes in einem zweiten. Und so ein bisschen absteigen werden dann Jugendliche auch zuerst im Internet recherchieren, was es vielleicht zu diesem Konflikt zu sagen gibt. Da könnte man auch vorbereiten, darauf einwirken, eben Informationen zu verfügen, zu stellen, wie damit umgegangen werden kann.

00:29:49
Ich glaube, dass das wichtigste oder so einer der grundlegendsten Sachen ist aber dann eben auch eben so dieses Vertrauensverhältnis zu schaffen und dann vielleicht auch nicht beleidigt zu sein, wenn man das Vertrauen nicht bekommt. Und das ist halt so, das gehört auch zu dem Jugendalter dazu, dass so in dieser Zeit zwischen vielleicht irgendwie 10 und 14 1516 es eigentlich für einen Jugendlichen nichts Schlimmeres gibt als peinliche Eltern oder so. Die Vorstellung, dass sie jetzt eben so in einem Chat irgendetwas sehen, eine Intervention machen und dann vielleicht irgendetwas verboten wird oder etwas zu einer riesen Diskussion wird und alle wissen, das ist der Mami oder das ist die Mami oder das ist der Papi von dem und dem und der ist Schuld, dass wir jetzt diese Regeln haben oder nicht. Dass das so wie das das Schlimmste ist, was einem einem Kind in diesem Alter passieren kann und darum diese Abwehrreaktion relativ stark ist. Also können wir es wie nicht vermeiden, halt in dieser Situation zu sein, unser Bestes zu geben, immer wieder Angebote zu machen, immer wieder nachzufragen. Und ich sage jetzt ebenso, ich finde diese Beispiele aus dem Alltag sind zweitausendein immer wieder gut. Das sind wie Möglichkeiten, die man schafft, vielleicht in einem ungezwungenen Rahmen kann da das Kind der Jugendlichen eng etwas erzählen, das ihn vielleicht beschäftigt und bekommt so vielleicht ein Hilfsangebot. So, damit wären wir schon am Ende.

00:31:27
Kurz zusammengefasste Konflikte gehören zum leben ob offline oder online, wir haben als Erwachsene da viele Erfahrungen, auf die können wir zählen. Unser Hauptziel ist es, die Hilfesuchenden möglichst gut zu unterstützen. Einerseits, indem wir es ihnen gut zusprechen, Mut machen, auf die Schulter klopfen, trösten und auf der anderen Seite ihr Konflikt handeln zu reflektieren und da vielleicht Vorschläge zu machen. Wir entscheiden gut, was unsere Gefühle sind, was unsere Deutungen sind und was die Deutungen sind. Zweitausendein der Konfliktparteien. Damit wären wir am Schluss auch von dieser Folge. Ich danke dir fürs Dabeibleiben. Wie immer, sollten sich Fragen ergeben, solltest du eine andere Meinung haben, sollte ich etwas vergessen haben, dann melde dich bitte über das Kommentarfeld oder über diesen Link, den ich in der Videobeschreibung poste.

00:32:25
Über diesen Link kannst du ganz anonym mit mir Kontakt aufnehmen. Natürlich gibt es dann auch noch so diese ganzen anderen Wegen über Social Media Kanäle. Und sollte dir der Podcast einfach nur gefallen, dann freue ich mich natürlich über einen positiven Kommentar. Am meisten freue ich mich, wenn du den Podcast weiterempfiehlst und so andere in den Genuss kommen, meine Stiefel zu lauschen. Ja, in in diesem Sinne, danke fürs zuhören, bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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