Medien erklärt; Eigenschaften, Stolpersteine, Lösungsvorschläge. Folge 5

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Medien erklärt; Eigenschaften, Stolpersteine, Lösungsvorschläge. Folge 5

Juli 11, 2024 Podcast 0

In dieser Folge spreche ich darüber, was Medien sind und welche Eigenschaften sie haben können. Ich spreche zwei Sichtweisen an, die Gespräche über Medien, schwierig machen oder verunmöglichen. Dazu gibt es wieder Beispiele aus Institutionen, die sich um beeinträchtigte Menschen kümmern, aus Gesprächen mit Pflegeeltern und über Kommunikationsproblemen in einem Kinderheim

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0:00 Einführung

01:54 Was sind Medien

02:51 Primäre, Sekundäre, Tertiäre, Medien

03:54 Eigenschaften von Medien

04:31 Gestaltungsform des Kanals/Produkts/App

05:04 Regelung des Zugangs

05:16 Die Art der Monetarisierung

05:53 Wir werden gelesen

07:26 Die Aufgabe der Erwachsenen

08:33 Das Internet geht nicht mehr weg

09:25 Das „Früher“ gibt es nicht mehr

10:06 Medienfrei gestern und heute

11:26 Online und Offline sind nicht mehr zu trennen

12:14 Sowohl als auch vs. alle oder nichts

13:25 Ursache und Wirkung

15:11 Wie sich dies auf unsere Erziehung auswirkt

16:24 Fallbeispiel: Pflegeeltern

18:54 Fallbeispiel: Diskussionen um Cybermobbing

19:52 Fallbeispiel: Mobbingsituation in einer Schulklasse

21:10 Augen weg vom Bildschirm

21:27 Beispiel; Heim für Menschen mit einer Beeinträchtigung

23:10 Fallbeispiel: in Heim für Ki/Ju

25:32 Beispiel; Definition von Mediensucht

26:45 Ende

Transskript

00:00:00
Reden über Medien. Der Podcast bietet Informationen, Diskussionen, Einschätzungen, Positionen zu Themen rund um Mediendigitalität, immer im Kontext von Kindern und Jugendlichen. Ich spreche über Themen wie Medienerziehung, Medienbildung und die zunehmende Durchdringung digitaler Medien in Arbeitsfeldern der Sozial. Dieser Podcast ist für dich, wenn du in deinem Alltag mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeitest oder mit ihnen zusammen lebst. Ich begriffe ich begrüße euch zu einer neuen Folge von Reden über Medien. Und diesmal reden wir wirklich ganz direkt über Medien. Also ganz am Anfang werde ich einfach so darauf eingehen, was denn Medien sind, was Medien für Eigenschaften haben oder haben können. Weil ich denke, es ist viel noch wichtig, wenn wir über Mediensituationen reden, dass wir so ein gemeinsames Verständnis haben oder man nachvollziehen kann, von was ich rede, wenn ich von Medien rede.

00:00:57
Es wird am Schluss natürlich dann auch wieder um Erziehungssituationen gehe. Es kommt nicht zu kümmern, kurz das eine oder andere aus der Praxis zu hören. Dann werde ich ein Auge auf das Thema werfen, dass online offline verbunden ist und nicht mehr trennbar. Dann wird das Thema sein, dass Jugendliche sich für Menschen interessieren und nicht für Medien. Und am Schluss möchte ich zwei Punkte ansprechen, die immer wieder so Diskussionen um digitale Medien sehr stark prägen. Und das ist so dieser Blick sowohl als auch, anstatt alles oder nichts. Und der Blick Ursache und Wirkung. Ich hoffe also, dass auch für dich etwas in dieser Folge verborgen ist, was du für deinen Alltag nutzen kannst.

00:01:49
Und ganz am Anfang möchte ich mich jetzt dem Thema widmen, was sind denn Medien überhaupt? Also das Wort Medien kommt vom lateinischen medienum und bedeutet so in der Mitte stehend. Und egal, wie wir das Wort Medien oder Medium verstehen, es geht immer darum, dass etwas zwischen zwei verschiedenen Sachen ist und da etwas vermittelt. Wir kennen das Wort Medium bei Stoffen, also z.b. das Öl beim kochen, das verbindet die Hitze der Pfanne mit dem Essen, das erhitzt werden soll. Und das Öl wird da als Medium gebraucht. Und dann kennen wir so das Wort Medien als das Mediensystem, also so die Medien, also das Mediensystem im Sinne von Zeitungen, Fernsehen, organisierten Systemen, die Botschaften vermitteln. Und dann zum Schluss natürlich das Medium oder die Medien als Kommunikationsmittel.

00:02:49
Da gibt es eine recht gute Unterscheidung, die man nutzen kann. Es gibt nämlich Primärmedien, sekundäre Medien und tertiäre Medien. Und primäre Medien, die brauchen keine Geräte, um verwendet zu werden. Das ist z.B. die Sprache, also da können zwei Menschen miteinander kommunizieren. Und das Medium ist die Sprache, die Übermittlerin. Das kann z.B. auch sein Mimik oder so Körpersprache.

00:03:15
Und dann gibt es die sekundären Mädchen, da braucht eine Seite schon ein Gerät. Also früher waren das vielleicht Rauchzeichen oder Druckmaschinen, also wo etwas hergestellt wird, da braucht es verschiedene Geräte, aber zum Lesen braucht es in dem Sinn kein Gerät. Und dann die dritte Generation und dann diese tertiären Medien. Und bei den tertiären Medien sind wir jetzt natürlich da, wo wir uns jetzt hauptsächlich damit beschäftigen, da brauchen Sender und Empfänger brauchen da ein Gerät. Und ich habe es ja auch schon gesagt, es gibt immer einen Sender und Empfänger. Und da eben dazwischen ist das Ÿousand Medium. Dieses Medium, also man benutzt vielleicht einen Boten, der hat einen eigenen Willen, aber das Medium hat kein eigenes Bewusstsein. Also Medien tun von sich aus selber nichts, sie werden immer verwendet von jemandem.

00:04:17
Was aber Medien haben, also vor allem auch die digitalen Medien, sie haben Eigenschaften. Und eine Eigenschaft ist dann z.b. so die Form, die es anbietet. Also kann man mit Schrift kommunizieren, kann man mit Bildern kommunizieren, kann man zeitversetzt, also was kann man wie nutzen? Und das ist ja gerade bei Apps dann sehr unterschiedlich. Die nutzen verschiedene Kommunikationsarten in verschiedenen Kombinationen. Sie erfinden zum Teil auch ganz etwas Neues. Also wenn man z.b.

00:04:50
filter betrachtet, das ist ja auch eine Art von Kommunikation, also so diese Form und Möglichkeiten, die sie anbieten. Und eine weitere wichtige Eigenschaft ist dann, wie der Zugang geregelt ist. Also kommen da alle dazu, kommen da spezielle Personen dazu, muss man sich finden? Ist es eher so ausgelegt, dass nur ganz wenige oder eben ganz viele dabei sein können? Und eine sehr wichtige Eigenschaft ist dann auch die Art der Monetarisierung. Also jedes Medium, und sei es noch so einfach, braucht eine minimalische technische Infrastruktur und da entstehen Kosten und auf irgendeine Art müssen die Kosten wieder reinkommen. Und das bringt uns so ein bisschen zum dritten Punkt. Sobald wir digitalen Medien nutzen, und das ist ein großer Unterschied zu Medien, die wir früher genutzt haben, wir werden immer auch gelesen.

00:05:51
Also auch wenn ich einen e Reader nutze, der zweitausendein vom Internet getrennt ist, die Sachen downgeloaded habe, es bleibt ein Minimum von ich werde gelesen, weil zumindest merkt sich das Gerät, wann es benutzt worden ist, wie der Akkustand ist, wie viel Zeit man damit verbringen hat. Und sobald Medien online genutzt werden, multipliziert sich das natürlich. Also diese Geräte haben immer ein Rücklauf, also an Informationen, die es zurücksendet an den Betreibern. Und das ist ja ganz spannend bei zwischenmenschlicher Kommunikation, dass sich ja diese ganz wesentlich verändert, sobald eine dritte Person dazu kommt. Also du befindest dich in einem Gespräch und da kommt eine dritte Person und es wird sich sofort etwas verändern. Was wir bei den digitalen Medien neu haben, ist, dass Gefühl von wir können zu zweit kommunizieren und es hört uns niemand zu, obwohl meistens irgendwo jemand ist, der zumindest gewisse Daten aus diesem Gespräch zurückholen kann. Diese andere Seite, die gibt natürlich Geld aus Bemühungen um unsere Aufmerksamkeit oder eben auch die Aufmerksamkeit unserer Kinder, zweitausendein zu fangen, weil sie wegen der Monetarisierung irgendwie von diesem Medium leben. Und daraus ergibt sich dann eben die ganz, ganz wichtige Stellung von uns Erwachsenen oder von Erziehungsbeteiligten, weil wir da ein Gegengewicht bilden im Sinne von, dass unsere Kinder erfahren müssen, was denn das für Eigenschaften sind, wer da zweitausendein mithört, was die genau hören.

00:07:48
Also das sind ja ganz viel auch seltsame Geschichten im Umlauf, also wer da alles mithört und was die alles hören können. Also Kinder und Jugendliche brauchen da Begleitung, sie brauchen die Schule, die Medienbildung vermittelt, sie brauchen Eltern, die Werte vermitteln, auch gegenüber Kommunikation und wie man sich verhält. Und ich werde da nicht müde zu betonen, wie wichtig das Ÿousand eben ist. Also wenn wir Medienerziehung machen, dann beschäftigen wir uns nicht mit dem Medium, wir beschäftigen uns mit unseren Kindern, wir informieren sie darüber, wir ermächtigen sie, die Medien ebenso positiv wie möglich zu nutzen, denn das bringt uns zum nächsten digitale Medien oder das Internet, das geht nicht mehr weg. Also auch wenn ich nicht einverstanden bin, auch wenn ich noch warten kann, meine Kinder einzuführen, es wird an dem Punkt immer noch da sein. Und ich erlebe das immer wieder so in Diskussionen, dass man wie ganz viel Energie darauf verwendet zu diskutieren, dass es grundsätzlich etwas Schlechtes ist und dass es besser wäre ohne und früher war es besser. Und ja, natürlich, es braucht manchmal diese Kommunikation, um sich zu erleichtern, aber das wird die grundlegende Situation nicht ändern, dass das Internet da ist und nicht mehr weggeht. Und was noch viel wichtiger ist, ist wie auch zu akzeptieren, dass es dieses früher nicht mehr gibt, dass es jetzt eine andere Situation ist als früher.

00:09:30
Wir können die Kinder nicht mehr gleich erziehen, wie wir das früher gemacht haben oder als wäre es früher. Und das ist ganz wichtig, wenn man z.b. solche Sachen oder Aktionen plant, wie ein medienfreies Lager oder medienfreie Tage in der Institution, wo man arbeitet oder medienfreie Tage in der Familie. Das ist etwas Wichtiges. Die Kinder heute müssen und das ist ja, das zeigt sich eigentlich ganz schön bei diesem Beispiel, für uns ist es so wie ein bisschen ein zurück also wir haben das mal gekannt und jetzt können wir das künstlich herstellen, dass wir in dieses zurückgehen. Und für Kinder und Jugendliche ist es aber wie das Gegenteil. Also sie sind immer aufgewachsen, die Mädchen sind immer da. Und wenn wir so eine Situation schaffen, wo Mädchen nicht mehr da sind, dann ist es die spezielle Situation.

00:10:22
Und in dem Sinn, wenn ich ein medienfreies Lager mache, ja natürlich, das ist wichtig, den Kindern oder Jugendlichen auch Erfahrungen geben, die ganz wichtig sind. Aber ich muss das irgendwie vorbereiten, weil die Gesellschaft hat sich daran gewöhnt, immer erreichbar zu sein. Und da müssen wir das eben vorbereiten, wenn wir die spezielle Situation herstellen, dass eine medienfreie Zeit ist. Und es sind viele Lehrpersonen da schon auch drüber gestolpert, dass das ja nicht nur für die Kinder so ist, sondern auch bei den Eltern. Also ich habe das jetzt zweimal erlebt, wo eigentlich Lago medienfrei geplant waren ursprünglich und dann auf Protest von Eltern das zurückgenommen werden müssen. Hey, aber ich muss doch mein Kind erreichen, das kann doch nicht sein. Woher soll ich wissen, wie es meinem Kind geht? Ja, das sind Sachen, die sich verändert haben.

00:11:17
Und es ist immer noch so, dass Jugendliche erwachsen werden müssen von sich aus. Und es ist aber die Art und Weise, wie sie das tun, das hat sich verändert. Und einer dieser Sachen, die sich verändert haben, ist, dass online und offline definitiv nicht mehr trennbar sind. Also es gibt ganz wenige Sachen, die nur noch offline oder nur noch online sind. Es gibt meistens irgendwo ein Fenster, das diese Räume miteinander verbindet. Ich erlebe immer wieder, dass Erwachsene oft diesen Filter haben, offline ist wichtig und das online ist irgendwie nicht so wichtig, weil es ist wie nicht ganz so echt. Und das führt dann ganz oft dazu, dass Kinder und Jugendliche sich nicht ernst genommen fühlen oder zum Teil auch wirklich nicht meinen, nicht verstehen, was Erwachsene meinen, weil für sie, dass der Unterschied eben nicht da ist. Und jetzt kommen wir zu diesen zwei Aspekten, wo ich wichtig finde, darüber zu sprechen, weil sie Diskussionen und das Arbeiten verschiedenen Aspekten mit digitalen Medien sehr schwierig machen.

00:12:29
Und das eine ist eben diese sowohl als auch anstatt alles oder nichts. Denn viele Diskussionen, die geführt werden, sind immer so dieses alles oder nichts. Also wollen wir nur noch digitale Medien nutzen oder wollen wir keine? Soll denn jetzt Erziehung nur noch digital? Das ist so eine unfruchtbare Diskussion, weil es geht nicht darum jetzt, weil jetzt eben auch von online nicht mehr trennbar ist, immer alles nur noch online zu machen oder digital zu machen, sondern es geht immer darum, aus beiden Welten das beste zu nutzen. Also zu schauen, was kann welches Medium oder was kann welches Setting und wo passt es am besten zu anderen Kindern und Jugendlichen, was sie in dem Moment gerade brauchen? Finde ich ganz ein wichtiger Punkt, der immer wieder auch so die Diskussion so auf einen unfruchtbaren Boden bringt. Und das bringt uns auch zum nächsten Punkt, nämlich dem Punkt Ursache und Wirkung.

00:13:33
Bei vielen Diskussionen, die so anscheinend um digitale Medien sich drehen, die drehen sich gar nicht um digitale Medien, sondern um die Menschen dahinter. Und das ist auch eine wichtige Eigenschaft, die ich jetzt vorher so ein bisschen verschoben habe. Aber es ist eine wichtige Eigenschaft zu sehen, dass bei digitalen Medien, da sind immer Menschen dahinter. Also ich meine jetzt nicht im Medium selbst oder in der Regel kommunizieren unsere Jugendlichen mit anderen Menschen. Und diese große Faszination, die kommt, ist wegen dem Menschen und nicht wegen den Geräten. Und das zeigt es auch so ein bisschen, dass Desinteresse z.B. von Jugendlichen an den bekannten Medien, also wie Produkte der SRG oder des Privatfernsehens, in weiten Teilen werden die ignoriert, weil sie nicht so interessant sind, weil da sind ihre Freunde nicht, da sind ihre Peer Group nicht. Und Peergroup meint ja auch wie so der erweiterte Kreis der Freunde, also nicht nur die, die sie kennen, sondern eben auch einfach die, die sie bewundern.

00:14:43
Und wenn ihr Kind das Handy nicht weglegen kann, hat es ganz oft damit zu tun, dass es irgendwelche Informationen braucht oder mit jemandem am Schreiben ist. Und wir Erwachsenen tendieren dann immer so ein bisschen das Gerät ebenso als Ursache zu sehen. Also es geht fortgründig um dieses Gerät. Die Chancen, die wir damit verpassen, sind die, dass die Medien viel öfters uns eben Sachen zeigen, was mit dem Menschen zu tun haben. Also wenn ich sehe, was Jugendliche auf TikTok sehen oder welchen YouTuber sie folgen, dann sind das für mich immer Informationen darüber, was das Kind bewegt und mit mit was es sich beschäftigt. Und das ist schon bei ganz kleinen Kindern so. Die Filme oder die Figuren, die sie ansprechen, die Eigenschaften dieser Figuren. Also wenn ich dann das Kind sehe, wie es beim normalen, also beim offline Spiel in die Rolle eines ihrer Medienfiguren schlüpft und da Sachen nachspielt, was es vielleicht im Film gesehen hat, dann ist es ein Hinweis dafür, was mein Kind beschäftigt.

00:15:56
Und ich finde es ganz wichtig, dass wir im Sinne der Medienerziehung uns dann immer fragen, warum? Warum ist jetzt mein Kind so gefangen? Und es kann sein, dass sich ein Kind vielleicht in einer schwierigen Situation etwas verstecken muss. Und dann sind natürlich digitale Medien ein wunderbares Mittel, sich zu verstecken. Aber das wichtige ist nicht das Gerät, sondern der Grund, warum sich der Jugendliche verstecken muss. Und ich habe da ein wunderbares Beispiel da war ich im Austausch mit Pflegeeltern und es war eine größere Gruppe von Pflegeeltern und ich habe genau über das geredet, das was Jugendliche sehen, dann immer etwas auch über die jugendlichen aussagen. Und die einen haben dann aufgestreckt und gefunden, ja, bei ihnen sei es wirklich so, da ist das Gerät, das ist unglaublich, das würde dem Kind da irgendwelche Sachen zeigen, dass sie gar nicht sinnvoll sind und die total blöd sind. Zweitausendein versucht rauszufinden, ja was war es denn?

00:16:57
Und da ging es bei den Sachen, die der Jugendliche gesehen hatte, um Fastnacht Sachen, also Faschingsachen, also so Guckermusik, so Musikgeschichten und auf der anderen Seite ganz viel über Lastwagen. Und sie haben dann auch wie beteuert, dass dieser Jugendliche gar nicht mit Lastwagen zu tun hat und auch nicht unbedingt Fasnacht toll findet, aber eben das sei irgendwie ein Rätsel und so weiter und so fort. Das war noch eine spezielle Situation, wir haben da ein bisschen geforscht und was das sein könnte. Und dann war es dann erst, als dann alle gegangen sind und dieses Paar war dann das letzte, haben sie in einem Nebensatz erwähnt und ich weiß nicht, warum sie das erst am Schluss gesagt ja, theoretisch könnte das ja mit dem Vater zu tun haben, weil der macht Pfalznacht und findet Lastwagen toll. Und es war für mich schon erstaunlich, dass ein Zusammenhang, der von außen gesehen vielleicht so offensichtlich ist wie von den Eltern, erst zu einem späteren Zeitpunkt wie gesehen werden konnte. Aber für mich zeigt dieses Beispiel recht schön, wie so diese Annahme das also dass eben die Mädchen oder was Mädchen zeigen und hervorbringen, eher dann eben ein Symptom sind, das auf etwas zeigt, dass sie in dieser Geschichte wären, dann das quasi das Symptom, dass eben dieser junge Mensch sich nach seinem Vater sehnt oder eine Verbindungs zu seinem Vater, die ja offensichtlich gestört ist, weil sonst wäre er nicht in dieser Pflegefamilie. Und so ist es auch bei diesen weiteren Beispielen, sondern es sind die Medien, die uns auf Ursachen oder Probleme hinweisen. Ein gutes Beispiel dafür finde ich die ganzen Diskussionen um Cybermobbing.

00:18:55
Und mir geht es jetzt es nicht darum zu sagen, dass Cybermobbing nicht schlimm ist oder es nicht ein Thema ist, wo wir uns damit befassen sollen. Was ich aber als problematisch ansehe, ist, wenn man so dieses, weil es Medien gibt es Cybermobbing oder gibt es Mobbing? Und für mich ist es eigentlich eher so, dass die Mediengeräte das bestehende Mobbing zweitausendein bekannt gemacht haben, also sichtbar gemacht haben. Und das hat es schon. Mobbing hat es schon immer gegeben und Mobbing ist ganz oft für die beteiligten Personen nicht wahrnehmbar, weil sie ja eben ein Teil dieses mobbing systems sind. Und digitale Medien ermöglichen es dann den Menschen von außen in das System reinzuschauen und auf dieses Mobbing aufmerksam zweitausendein zu werden. Das ist ganz, ganz eindrücklich, wie diese Systeme funktionieren. Also einmal war ich in einer Klasse zur Mobbingprävention und habe in der Pause mit der Lehrperson gesprochen und sie hat da von der Klasse erzählt und von der guten Stimmung, die sie haben und dass bei ihnen in der Klasse Mobbing Situationen sicher nicht vorkommen und absolut gar nicht, gar keinen Nährboden haben.

00:20:19
Und das Spannende war, dass schon in der Pause, während wir das Gespräch geführt hatten, ein Schüler da anwesend geblieben ist im Klassenzimmer und er ist da gehockt und er sah ein bisschen müde aus und hatte die Kapuze oben. Und als die Pause vorbei war und die Schüler und Schülerinnen mit reingekommen sind, hat jeder einzelne Schüler, der reingekommen ist, diesem Jungen so einen Klaps auf den Hinterkopf gegeben oder eine abwertende Bewertung gemacht. Und ich fand das wie eindrücklich, wie das Zusammenspiel von dem, was ich da beobachtet habe und dem, was eine Person, die in dieser Situation ja ist und Teil dieses Systems ist, eben nicht sieht, dass vor seinen ihren Augen eben eine solche Situation besteht. Und wenn ich mit Mediensituationen konfrontiert werde, sei das jetzt in Erziehungssituationen oder so in Beratungssituationen, dann gebe ich immer den die Augen weg vom Bildschirm zu nehmen und zu schauen, was passiert dahinter, hinter dieser Mediengeschichte, was passiert mit den Menschen? Ein Beispiel aus einer Beratungssituation, wo ich angefragt wurde von einer Institution und das war ein Heim für beeinträchtigte erwachsene Personen und die hatten auch das Gefühl, dass sie immer wieder so mit Mediensuchtsituationen konfrontiert werden und sie würden das gerne diskutieren. Und das eine Fallbeispiel war, dass der eine Besuchende jedes mal, wenn er die Möglichkeit hat, also wenn er nicht gerade irgendwie im Blick war und es war in der Nähe irgendwo ein Mediengerät, dann hat er sich darauf gestürzt, hat sich glaube ich sogar so ein bisschen versteckt und hat dann bei verschiedenen Anbietern sich Musikanlagen bestellt. Also hat sich dann so Böxlis und MP Player und solche Sachen bestellt und das hat er mehrmals gemacht und die Fachpersonen waren eben besorgt, weil er sich so auf diese Geräte gestürzt hat, zu diskutieren und haben über den Menschen diskutiert. Und dann kam dann eben auch raus, dass dieser Mensch sehr gerne Musik hört.

00:22:31
Und das war noch spannend. Ich habe wie eigentlich so in einem Nebensatz wie gefragt ja, ich gehe mal davon aus, er hat eine Musikanlage und dann schauen mich vier Leute an und sie sagen nein, er hat stimmt, er hat gar keine Musikanlage in seinem Zimmer. Und dann plötzlich hat sich der ganze Blickwinkel auf diese Situation völlig verschoben von der Situation, der ist erpicht auf Handys und Medien und Internet und Konsum im Internet, auf ich höre gerne Musik und ich hätte gerne eine Musikanlage. Dazu noch ein anderes Beispiel aus einer Beratung und da ging es darum, dass ein Heim für Kinder und Jugendliche das Problem hatte, die verschiedenen Medienkanäle aneinander vorbeizukommen. Und die Anfrage kam so, dass sie ein Konzept für WhatsApp braucht. Und die Situation war dann die, dass Jugendliche da in den Ausgang gehen und dann zum Teil wegen Ausnahmen bei den Sozialpädagogen nachfragen, so darf ich länger bleiben, ich gehe jetzt nicht durch, gehe dahin. Und dann war es wie nicht klar, wie dann diese Sozialpädagogen erreicht werden zweitausendein sollen, ob sie das über das Festnetz und das WhatsApp, weil das WhatsApp, das hatten die Sozialpädagogen eben nicht immer im Auge, weil gewisse eben nur das Festnetztelefon im Hosensack hatten und die anderen hatten eben das Handy auch im Satz. Und die Diskussion hat sich dann so ein paar mal gedreht und wie kompliziert es ist mit WhatsApp.

00:24:06
Und irgendwann hat dann eine jüngere Person, die irgendwann hat dann vielleicht ein bisschen bezeichnenderweise die jüngste Person im Kreis, die vielleicht so ein bisschen auch die Zweitausendein diesen Fokus auf Mädchenwelt ist etwas Spezielles, nicht so stark, hat dann irgendwie gefunden, aber diskutieren wir nicht über das Falsche, weil es ist ja eigentlich ganz einfach, wenn eine Frage der Jugendlichen besteht, braucht es eine Bestätigung der Erwachsenen und die Jugendlichen wissen, wie sie uns eigentlich erreichen oder nicht. Und wenn sie eine Bestätigung bekommen, dann dürfen sie länger bleiben und wenn sie länger bleiben, ohne dass sie eine Bestätigung vorweisen können, dann dürfen sie das nicht. Und in dem Punkt ging auch so wieder so ein bisschen wie ein Raunen durch die Gruppe und man hat irgendwie festgestellt, aha, es geht hier gar nicht um WhatsApp. Hier sieht man sehr schön, wie am Anfang so wie fast bisschen aus einer Automation raus, dass das Medium, also WhatsApp zum Problem, zur Ursache erklärt wurde und die eigentliche Ursache eigentlich da liegt, dass es eine Unklarheit in der Kommunikation mit den jugendlichen zweitausendein gibt in Bezug auf Ausnahmen. Und Diese Schwierigkeiten zeigten sich z.b. auch so in der Definition der Gamesucht, weil man noch nie feststellen konnte, dass so eine Gamesucht besteht, ohne dass nebenbei eine andere psychische Krankheit diagnostiziert wurde. Und für die Definition einer oder gaming Sucht braucht es klare Symptome, die abgrenzbar sind voneinander, damit sie eben den Status bekommen, eine eigene Krankheit zu sein, aber nicht ein Symptom einer anderen Krankheit. Und weil eben Mädchensucht immer im Zusammenhang eigentlich mit anderen psychischen Krankheiten besteht, ist das so ganz etwas schwieriges, weil die Frage nie ganz geklärt ist, ist jetzt halt das Gamen eine Möglichkeit von Flucht oder Ablenkung oder eine eben Folge, wenn es einem psychisch nicht gut geht oder ist es umgekehrt, dass man aus irgendwelchen Gründen anfängt, so viel zu spielen, bis es gesund wird.

00:26:24
Da eben diese Unterscheidung, ob das jetzt Ursache oder Wirkung ist, also Symptom oder Krankheit, diese Fragen sind noch weitgehend ungeklärt. Auch hier wieder, diese Aufzählung soll nicht abschließend sein. Das ist ein Destillat meiner Erfahrungen, wenn ich mich so hinsetze und überlege, was begegnet mir immer wieder oder was begegnet mir am meisten oder hat am meisten Einfluss bei eben Diskussionen und Medien, weil das ist ja das, was wir machen werden. Und dann tauchen wir immer mehr ein in Mediensituationen und wie man mit diesen Mediensituationen umgehen kann. Ich freue mich, dass du mir bis dahin gefolgt bist und hoffe, du kannst, konntest etwas für dich, für dich mitnehmen. Wenn du überhaupt nicht einverstanden bist, selbst ein Vorschlag ist oder vielleicht gerne mit mir diskutieren möchtest und von deinen Erfahrungen berichten oder von Fragen, die dich ganz konkreten Fragen, die dich begleiten, dann melde dich unbedingt bei mir. Ich schaue immer darauf, dass in der Beschreibung der Podcastfolgen so ein Link drin ist. Dieser geht zu einer Umfrage, wo man mich kontaktieren kann oder einfach anonym eine Frage stellen kann.

00:27:38
Ich würde mich freuen, dich bei der nächsten Folge wieder zu begrüßen und bis dahin wünsche ich dir alles Gute. Tschüss.

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